{"id":286,"date":"2016-05-19T16:14:47","date_gmt":"2016-05-19T14:14:47","guid":{"rendered":"http:\/\/meerlust.frankweiner.de\/?p=286"},"modified":"2016-05-20T14:25:14","modified_gmt":"2016-05-20T12:25:14","slug":"pfingsten-mal-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meerlust.frankweiner.de\/?p=286","title":{"rendered":"Pfingsten . . . mal wieder"},"content":{"rendered":"<p>So ca. genau vor einem Jahr zu Pfingsten ist das Boot ja angekommen nach einer l\u00e4ngeren \u00dcberf\u00fchrungstour vom Hafen Bottrop\/Essen in die Flevo Marina nach Lelystad. Und auch diesmal konnte ich mir wieder ein wenig Zeit freischaufeln um nach dem Rechten zu schauen und die Zeit an Bord mal wieder genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. \u00dcberhaupt: (Frei-) Zeit und Boot. Zwei Dinge, welche irgendwie nicht zusammenpassen. Das hatte ich mir ja eigentlich\u00a0alles anders vorgestellt und erst jetzt nach einem Jahr wird mir so richtig bewusst, wie wenig Zeit am Ende dann doch bleibt &#8211; nach Abzug aller Arbeitstage auch am Wochenende, nach Abzug der normalen WE Termine, nach Abzug der Frau- und Familienbed\u00fcrfnisse, und, und, und . . . schon ein wenig entt\u00e4uschend. Fester Entschluss: Das muss anders werden \ud83d\ude42<br \/>\nUm den Pfingststress und Verkehr zu umgehen, um auch f\u00fcr die Familie noch ein wenig da zu sein, hatte ich mir den Sonntag Abend ausgew\u00e4hlt als Anreisetag. Hat auch super geklappt, kurz nach Sonnenuntergang war ich dann an Bord. Wieder alles soweit auf den ersten Blick in Ordnung. Ich bin immer wieder erstaunt, das nach Wochen der Abwesenheit, alles noch so genauso wie beim Verlassen wieder vorzufinden ist. Kein Kn\u00f6chelhohes Wasser am Boden, kein Schimmel \u00fcberall, kein Gestank (zumindest in diesem\u00a0Augenblick nicht . . . ) Selbst die Massen an Tagesfliegenleichen, welche sich sonst die\u00a0Polster als ihre letzte Ruhest\u00e4tte gew\u00e4hlt hatten, waren nicht da. Bei der Gelegenheit f\u00e4llt mir ein, der Ministaubsauger muss dann mal dringend wieder geleert werden \ud83d\ude42<br \/>\nDer Plan war, den Montag f\u00fcr einen l\u00e4ngeren T\u00f6rn zu nutzen. Ich wollte zu einer recht einsamen Vogelinsel mit Namen &#8222;de Kreupel&#8220; segeln.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/meerlust.frankweiner.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/de-kreupel.jpg\" rel=\"attachment wp-att-288\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-288\" src=\"https:\/\/meerlust.frankweiner.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/de-kreupel.jpg\" alt=\"de Kreupel\" width=\"567\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/meerlust.frankweiner.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/de-kreupel.jpg 567w, https:\/\/meerlust.frankweiner.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/de-kreupel-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dort ist nur ein Naturhafen (im Bild unten rechts), sonst wohl gar nix.\u00a0Dann \u00fcbernachten und am Dienstag morgen\u00a0zur\u00fcck zum Heimathafen. Ca. 5 Stunden Anfahrt sagte mir mein Boots-Navi. OK, das war der Plan. Die Realit\u00e4t sah dann anders aus. Der letzte Blick am Abend auf die Windrichtung sagte mir Nord West Winde. Klaro, die Insel lag im Nordwesten des Ijsselmeeres, von meinem Standpunkt aus betrachtet. Auch wenn ich immer wieder gelesen hatte, gegenan &#8222;ankn\u00fcppeln&#8220; gegen Wind und Welle, macht man nicht und w\u00e4hlt sich ein anderes Ziel . . . nein, der Frank muss sowas ja ignorieren und sagt sich, ein wenig kreuzen, das geht schon und ruckzuck ist man da. Au\u00dferdem war DAS mein Ziel, da kann das Wetter mich doch nicht einfach woanders hinschicken?<br \/>\nNun gut, am Montag war ich dann auch recht\u00a0fr\u00fch auf den Beinen, noch schnell die Katzenw\u00e4sche gemacht . . . upps, was riecht denn hier so komisch? Etwa das Wasser? Schnell den zweiten Wasserhahn ausprobiert. Der gleiche Gestank. So eine Mischung aus G\u00fclle und faulen Eiern. Warum? Den Wassertank und die Entkeimungstabletten habe ich jetzt schon seit einem Jahr. Das hatte ich noch nie! \u00a0Ok, mir bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als den ganzen Tank zu leeren und frisches Wasser einzuf\u00fcllen. Gesagt &#8211; getan. Nur, so ganz\u00a0frisch scheint das Wasser immer noch nicht zu sein. Ich verstehe es nicht. Da werde ich beim n\u00e4chsten Mal noch mal alles entleeren m\u00fcssen und \u00fcber die Service\u00f6ffnung den Tank inspizieren und von dort aus reinigen. Aber jetzt wollte ich erst mal los. Frisches Wasser habe ich ja auch immer in Flaschen dabei. Das muss reichen. Zwischenzeitlich zogen ganz sch\u00f6n dunkle Wolken auf und es blies\u00a0m\u00e4chtig. Soll ich wirklich raus? Welches Vorsegel nehme ich? Nachdem ein Stegnachbar dann an mir vorbei gelaufen ist, mich gr\u00fc\u00dfte und mir einen &#8222;sch\u00f6nen Segeltag&#8220; gew\u00fcnscht hat . . . . . gab es kein Zur\u00fcck mehr.<br \/>\nP\u00fcnktlich zum Auslaufen hat sich dann auch eine Segelclique genau vor meinem Boot festgequatscht. Super. Genau sowas brauche ich dann auch noch als Publikum f\u00fcr meine Ablegeman\u00f6ver. Aber sie waren recht freundlich, fragten, ob sie mir bei Ablegen helfen k\u00f6nnten. Dankend nahm ich die Hilfe an, das Festmachseil zum Steg landete dann anschlie\u00dfend zwar nicht wie versprochen auf dem Boot, sondern im Wasser . . . aber egal, der hilfsbereite Gedanke z\u00e4hlte \ud83d\ude42 Mutig, wie ich war, w\u00e4hlte ich diesmal auch direkt die R\u00fcckw\u00e4rtsfahrt aus der Boxengasse, direkt in den Wind rein. Mittlerweile wei\u00df ich, das mein Boot einfach nicht mit der Nase in den Wind drehen will. Deshalb passe ich mich diesem Willen an und bleibe einfach in dieser Position,\u00a0fahre so raus und drehe dann erst sp\u00e4ter mit mehr Schwung. Wenn man denn Hafen dann verl\u00e4sst und auf das &#8222;offene&#8220; gro\u00dfe Ijsselmeer f\u00e4hrt &#8211; dann f\u00fchlt man erst den richtigen Wind und die richtige Welle. Puuuh, das war nicht schlecht. Vielleicht h\u00e4tte ich doch die kleinere\u00a0Fock w\u00e4hlen sollen? Ich habe leider keine Rollfock, muss diese also vorher ausw\u00e4hlen und anschlagen. Auf dem Meer ist es sp\u00e4ter schwierig bis nicht machbar, dies dann noch zu wechseln. Gut, dann hoch die Lappen, erst das Grosssegel, dann die Fock und ab geht der Ritt. Nat\u00fcrlich ganz hoch am Wind, ich muss ja in diese Richtung. Das war dann aber alles gar kein Spa\u00df. Die Segelfl\u00e4che war einfach zu gro\u00df. Mein Autoruder arbeitet nicht zuverl\u00e4ssig bei diesem starken Wind und dieser Welle, die nat\u00fcrlich auch aus der Windrichtung kommt und damit voll gegenan. &#8222;Ritt&#8220; ist das richtige Wort. Oder &#8222;Kampf&#8220;. Permanent an der Pinne, permanent die B\u00f6en abfangen und weiter in den Wind gehen, damit der Segeldruck abnimmt. Die Kr\u00e4nkung (Schr\u00e4glage) des Bootes ist teilweise angsteinfl\u00f6\u00dfend. Wie weit kann ich mich auf die Seite legen mit den drei Tonnen, bis es umkippt? Kann es \u00fcberhaupt umkippen? Ich bin mir eigentlich sicher, es kann. Oder zumindest den Mast, das Rigg abr\u00e4umen. Nun gut, nach einer Weile dachte ich mir, zumindest das Grosssegel kann ich doch reffen. Mit dem tollen &#8222;Einhandreffsystem&#8220;. Wieder ganz in den Wind gesteuert, das Grossfall gefiert, an dem Reffseil gezogen. Dadurch schiebt sich das Grosssegel zusammen und die Segelfl\u00e4che wird verkleinert. Gezogen, noch ein wenig und schwupp, ein Pl\u00f6pp, irgendwas ist gerade abgefallen und liegt nun im Schlick des Ijsselmeeres. Ziemlich schnell hatte ich gemerkt, das der Mastrutscher Stopper sich gel\u00f6st hat und unter dem Druck des Ziehens herausgerutscht ist. Das bedeutet, wenn ich das Segel weiter herunterlasse, rutscht es komplett aus der Nut des Mastes! Super! Nach den vielen Fl\u00fcchen und der Zeit des \u00c4rgerns bin ich dann zum Mast hin, habe mit einem Seil den unteren Rutscher fixiert. So konnte zumindest nichts mehr rausrutschen, ich konnte aber auch nicht weiter reffen.<br \/>\nNach ca. 4 Stunden Fahrt gegen Wind und Welle habe ich dann aufgegeben, zumindest was mein Tagesziel anging. Das war nicht mehr zu schaffen heute. Gegen Wind und Welle dauert es noch Stunden und ich hatte erst einen kleinen Teil der Strecke geschafft. Insgeheim sehnte ich mich doch auch nach meinem Heimathafen und meinem sicheren Steg. Das Wetter war mir heute auch \u00fcberhaupt nicht geheuer. Immer wieder zogen dicke, schwarze Wolken auf, die\u00a0immer auch noch mehr\u00a0Wind mit sich bringen. Es sollte noch nicht sein, zumindest nicht heute und\u00a0nicht jetzt. Also, kehrt marsch.<br \/>\nZur\u00fcck in die Marina. Das war eine gute Entscheidung. Der Vorwindkurs und die schnellen Raumwindkurse brachten mich dann auch z\u00fcgig wieder zur\u00fcck. Mein Navi hat mir hinterher gesagt, das meine H\u00f6chstgeschwindigkeit auf diesem R\u00fcckweg 7,0 Knoten \u00fcber Grund waren. Meine theoretische Rumpfgeschwindigkeit (das ist eigentlich das Maximale mit diesem Boot)\u00a0sind 6,5 Knoten. Leider ist mir auf einem dieser Vorwindkurse dann doch auch noch der Grossbaum umgeschlagen. Eigentlich habe ich ja eine Bremse eingebaut, einen sogenannten Bullenstander. Diesen hatte ich aber gerade gel\u00f6st, eine Unachtsamkeit an der Pinne, eine hohe Welle und Schwupp sauste das Teil um Haaresbreite \u00fcber\u00a0meinen Sch\u00e4del hinweg. Genau diese Dinge soll und MUSS man als Einhandsegler vermeiden, sollte JEDER Segler vermeiden. Aber vielleicht muss man solche Situationen\u00a0dann auch immer erst mindestens einmal mitmachen um es zu lernen. Ich danke Gott, das er mir genau diese K\u00f6pergr\u00f6\u00dfe gegeben hat und nicht noch ein paar Zentimeter draufgepackt hat. Ganz ehrlich.<\/p>\n<p>Insgesamt war ich an diesem Tag (nur) 6 Stunden unterwegs, gerade mal 21 Seemeilen. Mir selbst ist es vorgekommen, wie eine halbe Atlantik\u00fcberquerung. Die ganzen blauen Flecken an meinem K\u00f6rper sind Zeuge.<br \/>\nMein Gott, was habe ich einen Respekt vor diesen ganzen Langfahrseglern! Wie geht das? Wie machen die das? Und das auch noch alleine.<br \/>\nUnglaublich, da muss ich noch sooooooo viel Erfahrung sammeln. Und komme ich selbst jemals an so einen Punkt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So ca. genau vor einem Jahr zu Pfingsten ist das Boot ja angekommen nach einer l\u00e4ngeren \u00dcberf\u00fchrungstour vom Hafen Bottrop\/Essen in die Flevo Marina nach Lelystad. 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