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Enkhuizen

Endlich mal wieder ein Wochenende mit Zeit gefunden.

Leider sind dann aber auch noch immer 3 Millionen Dinge an Bord zu erledigen. Allerdings muss dies auch mal hinten angestellt und gesegelt werden! Sonst kommt man am Ende doch NIE dazu. Freitag am frühen Nachmittag ist i.d.R. Anreise, dann kann ich noch ein paar Dinge vorher erledigen und die Batterien laden. Das Schott streichen muss unbedingt gemacht werden, geschliffen und 1x gestrichen hatte ich schon. Jetzt noch ein 2x mal schnell drüber streichen. Mindestens 3x ist auf jeden Fall nötig. Schön ist das nicht unbedingt, dieses schnell, schnell. Nur das Holz vergammelt mir sonst total und besser schlecht gestrichen und handwerklich nicht soooo toll, als wenn mir da alles weg fault.

Da ich ein wenig ausschaue halte nach einem anderen Liegeplatz, wollte ich unbedingt einmal nach Enkhuizen in den Compagnies Haven fahren. Eigentlich hatte ich den Papp schon auf, da ich dort drei Mails im Vorfeld hingeschickt hatte, mein Interesse an einen festen Liegeplatz kund getan und nicht eine Antwort bekommen habe 🙁
Trotzdem ging es dann an diesem Samstag, den 20.10.2018 los dorthin. Wetter war ganz ok, zunächst auch Wind 3-4 – alles Bestens. Ablegen wie immer so lala . . . ich muss unbedingt neue Taktiken anwenden. Im Kopf habe ich immer alles vorliegen, aber in der Praxis kommt es dann doch immer anders. Mein Boot ist einfach auf den ersten 100 Metern, bzw. 30 Sekunden nicht rückwärts zu steuern. Der Platz bis zur nächsten Boxenreihe ist nun mal viel kürzer und so viel Zeit zum einschwenken habe ich nicht. Aber beim nächsten Mal wird alles besser!
Die Fahrt war gut und schön nach Enkhuizen, guter Wind und noch aus der richtigen Richtung. 20 Seemeilen waren es. Am Nachmittag bin ich ins Krabbersgat eingelaufen, dann kommt auch steuerbordseitig gleich der Hafen. Anmeldung beim Hafenmeister – mit dem Hinweis, ich solle doch weitere Mails schreiben, man habe derzeit technische Probleme damit . . . OK, als Entschuldigung erstmal akzeptiert. Eine schöne Box zugewiesen bekommen, etwas für´s Hafenkino geboten beim Anlegen – ich bin da auch immer sehr kritisch mit mir und meinen Manövern.
Dann die Stadt erkundet. Ja, schon was anderes als mein Heimathafen Flevo Marina und Lelystad. Eine schöne Altstadt, allerdings auch ganz schön viel los. Viele Häfen und viele Schiffe, viel zu schauen. Einkaufen. Essen. Schon nicht schlecht und das Gegenteil zu meinem jetzigen Standort. Allerdings auch eine halbe Stunde mehr Fahrtzeit mit dem Auto dorthin. Aber tendenziell würde ich das wohl mal ausprobieren wollen im nächsten Jahr.

Am nächsten Morgen dann abgelegt und ich wollte nicht den gleichen Weg zurück, sondern dachte mir durch die Naviduct Schleuse ins Markermeer zu fahren. Dann an den neuen, künstlichen Inseln Marker Wadden vorbei und unten rum in Lelystad durch die Houtrib Schleuse wieder zurück ins Ijsselmeer und zu meiner Marina.
Fast 3 Jahre habe ich mir diese Schleuse immer wieder auf meinen (Fahrrad-) Ausflügen angeschaut und jetzt habe ich es endlich mal gemacht und geschafft durch diese Schleuse mit der Meerlust zu fahren!!! Ja, ein wenig innerliche Befreiung habe ich dann doch verspürt.

Ein sehr schöner Törn war dies. Richtig gutes segeln, eine gute Strecke, für mich schöne Hotspots, die mich schon immer interessierten. Ich war körperlich und mental geschafft, aber auch sehr zufrieden. Ja, geschafft – klingt vielleicht komisch, aber mir geht dies so. Ich finde vieles am EINHAND-Segeln sehr kraftraubend. Und mit meinem (alten) Boot. Da klappt nicht alles immer technisch so topp. Viel Arbeit, viel Aufwand.
Einen guten Vergleich habe ich nun, nachdem ich vor ein paar Wochen mit 2 Kollegen nach England fahren wollte. Zu dritt ist vieles, sehr viel einfacher. Ein großes, einigermaßen moderneres Boot mit einer guten Ausstattung ist auch eine ganz andere Sache. Sehr interessant, die Unterschiede zu sehen.
Trotz allem muss ich für mich aber sagen, bin ich selbst eher der „Alleine Fahrer“. Das liegt mehr in meinem Naturell und meinem Charakter.
An diesem Sonntag, den 21.10.2018 ist dann ein schöner, kurzer Törn zu Ende gegangen. Mit der neuen GoPro habe ich ziemlich viele Manöver mitgefilmt und dann zusammengeschnitten. Es ist kein Segelfilm geworden mit Blick für die Natur und solcher Dinge. Ich wollte nur mich selbst mal filmen, meine Manöver und meine Körpersprache. Ich bin dann doch meistens ganz schön verwundert über mich. Die Anspannung und mein nervöses Verhalten an Bord wird mir erst durch diese Videos so richtig bewusst. An Bord selbst empfindet man dies ja überhaupt nicht so. Schon interessant. Und vielleicht hilft diese Selbstanalyse ja zukünftig beim Manöverfahren und beim Boot fahren im Allgemeinen.

(Nachtrag vom 04.11.2018: Nachdem ich dann meine Liegeplatzanfrage per Briefpost nach Enkhuizen gesendet hab, bekam ich auch prompt eine Antwort mit Entschuldigung und einen guten, recht preisgünstigen Liegeplatz angeboten. Dieses Angebot werde ich nun annehmen und ab dem 01.04.2019 mal eine andere Marina ausprobieren. So ein Boot ist ja nun mal mobil und es immer wieder auch mal zu verlegen dürfte so verkehrt nicht sein.)

Eine lange Reise . . .

. . . zumindest für mich und meine Verhältnisse. Eins vorweg: Es war klasse und ein wirkliches Erlebnis. Das intensivste, welches ich bisher mit meinem Boot erleben durfte.
Die Zahlen meiner Fahrt von meinem Sommerdomizil 2017 in Lübbecke über Münster Greven/ Fuestrup (Winter 2017/2018) bis hierhin wieder zur Flevo Marina nach Lelystad:

478 km

17 Schleusen

10 Fahrtage

Eine Beschreibung vom Reiseverlauf in einem Schnelldurchlauf folgt alsbald.

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Sommer – Herbst 2017

2017 neigt sich dem Ende zu. Schneller als gedacht – also, so schnell wie eigentlich immer . . .
Es ist viel passiert in diesem Jahr. Da ich dies nicht alles zeitnah immer aufgeschrieben habe, jetzt auch nur alles ein wenig in Kurzform.
Ein Buch möchte ich nicht schreiben.

Zentraler, zeitaufwendiger Mittelpunkt 2017 ist das Gauselmann Projekt gewesen. Eine große Firmenveranstaltung in Lübbecke in Ost-Westfalen. Termin war der 08.-10.09.2017. Meine Aufgabe war die Gesamt Technische Projektleitung. Also, Planung im Vorfeld, Ausschreibungen, Gewerke Briefing, Ausführung. Und was sonst noch alles so anfällt, bei einem großen Event. Es wurde auf einem leeren Feld hinter dem Logistikzentrum eine große Zeltstadt errichtet. Das war die Aufgabe. Nun, es ist alles wunderbar gelaufen und alle Beteiligten waren froh und glücklich mit dem Gelingen dieses einzigartigen Projekts.


Das Projekt: Die Zeltstadt auf dem Kartoffelacker

Für mich war es zusätzlich noch aus anderen Gründen ein außergewöhnliches Erlebnis. Für die Durchführung dieses Projekts war es notwendig von ca. Mitte Juli bis Mitte Oktober ununterbrochen vor Ort zu sein. Direkt hinter dem Feld führte der Mittellandkanal vorbei und dort wiederum war direkt ein Sportboothafen, der Motor Yacht Club Lübbecke. 200 Meter Entfernung zum Veranstaltungsort. Deshalb habe ich mich entschlossen, für diese fast 3 Monate vor Ort, mein Boot nach Lübbecke zu verholen und dort zu wohnen. Die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt auf dem Boot. Es war schön, einmal intensiv und über einen langen Zeitraum an Bord zu leben. Auf wenigen Quadratmetern mit all den Vor- und Nachteilen, die ein recht kleines Boot mit sich bringt. Aber, ich habe es nie bereut und bin um eine wichtige Erkenntnis reicher geworden: Es wäre für mich gut möglich – falls es denn mal notwendig wäre – auf einem kleinen Boot zu wohnen. Mindestens für einige Monate. Dies hat das „Experiment“ eindeutig bewiesen.

Ein paar wichtige Meilensteine zu diesem Erlebnis:
Krantermin in der Flevo Marina in Lelystad war der 4. Juli 2017. Das Boot wurde aus dem Wasser geholt und auf einen Trailer einer beauftragten kleinen Transportfirma abgesetzt. Ich wollte nicht den Stress und das Risiko einer Bootsüberführung auf eigenem Kiel wagen – nicht unmittelbar vor dieser wichtigen Veranstaltung. Und zumindest nicht für die Hinfahrt nach Lübbecke.

Zielhafen für diese Überführung war der Yachthafen in Minden. Der Kran in Lübbecke war nicht funktionstüchtig zu diesem Zeitpunkt.
In Minden wurde die Meerlust dann von einem kleinen Kranwagen wieder ins Wasser gesetzt. Man musste sich quasi hinten auf den Kran stellen, damit er vorne nicht überkippt . . . 

Zwei Stunden Fahrt dann auf dem Mittellandkanal Richtung Westen nach Lübbecke in den Abendstunden und ein Liegeplatz beim MYC Lübbecke.

Gut, alles weitere in den Wochen danach betrifft die Projektarbeit für Gauselmann. Leider war nicht sehr viel Zeit für das Boot. Gefahren bin ich nicht auf dem Kanal. Das macht ja auch wenig Sinn mit dem Segelboot. Viele Reparaturen und Bastelarbeiten – dies hatte ich eigentlich ursprünglich auch angedacht für diese Wochen – konnte ich nicht durchführen. Zu wenig Zeit und Kraft. Deshalb und weil ich nicht nach der langen Abwesenheit von zu Hause, so oft schon wieder an den Wochenenden nach Holland fahren wollte, hatte ich mich entschlossen das Boot irgendwo auf dem Weg zurück ans Ijsselmeer für die nächsten Wochen liegen zu lassen um immer wieder mal wenigstens für ein paar Stunden hin fahren zu können. Meine Wahl fiel auf die Marina „Alte Fahrt“ in Greven-Fuestrup bei Münster. Dort bin ich dann am 16. und 17. Oktober über den Mittellandkanal und dem Dortmund Ems Kanal hin gefahren.

 

Abfahrt vom MYC Lübbecke am 16.10.2017

 

„Nasses Dreieck“ – Knotenpunkt Mittellandkanal auf den Dortmund-Ems-Kanal

 

Übernachtung in der Marina Recke (MLK) – Ankunft am Vorabend in völliger Dunkelheit. Das war spannend.

 

Mittagspause. Irgendwo auf dem DEK.

 

Liegeplatz in der Marina „Alte Fahrt“ in Greven-Fuestrup bei Münster.

Noch mehr Fotos und ein kleines Video über diese Fahrt sind hier zu finden:

Am 04. November hatte ich das Boot dann aus dem Wasser holen lassen und konnte an den darauf folgenden Tagen in einer schönen großen Halle einige erste Arbeiten vornehmen.
Das Antifouling habe ich erneuert. Die Schraube gesäubert und geschliffen. Die Wellenanode ausgetauscht. Zudem habe ich den Wasserpass neu gestrichen.
Am 07. November ist das Boot wieder in den Kanal gesetzt worden. Hier einige Eindrücke:

Alter Schrauben- und Anodenzustand

 

Schraube und Anode nach Bearbeitung

 

Erledigt: Antifouling, Wasserpass, Anode, Schraube

Das waren dann schon mal ein paar wichtige Arbeiten, die erledigt wären. Am 28.11. bin ich dann noch mal zur Marina gefahren und habe das Boot soweit Winterfertig gemacht. Also Wassertanks alle entleert und überall das Frostschutzmittel eingefüllt, einschließlich in den Motorkreislauf.

Die Arbeitsliste ist noch lang. Aber ein Anfang ist schon mal gemacht und nach und nach werden die anderen Punkte abgearbeitet.

Der Liegeplatz ist bis Ende März dort gebucht. Gerne würde ich schon früher eine Überführung zurück zu meinem Heimathafen nach Lelystad durchführen. Ich vermisse schon das „Meer“ dort, den Wind, die Natur, das rauhe Wetter dort an meinem Steg und die Einsamkeit jetzt in den Wintermonaten dort.

Ziele sind gesetzt für die nächste Zeit. Ich freue mich darauf. 

 

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Neue Ufer

Auf zu neuen Ufern.

Der ganze Sommer ist bei mir verplant mit einem Großprojekt. „Technische Gesamtleitung“ bei einer großen Firmenveranstaltung. Sehr spannend das Ganze, allerdings auch sehr einnehmend. Der Sommer ist quasi gestrichen, meine Familie erträgt es aber ganz gut – sie kennen das von mir, der Job bringt sowas immer wieder mit sich. Es kommen auch wieder ruhigere Zeiten. Obwohl . . . wann war es eigentlich mal ruhiger in den letzten Jahren? Aber dies ist ja auch gut so.


Wie auch immer, das Boot muss natürlich auch drunter leiden. 3 Monate keine Zeit mehr zum Segeln. Bis zu dem Moment, als ich beschlossen habe, eine Idee in die Tat umzusetzen. Eigentlich war es naheliegend, Freunde hatten es mir schon länger nahegelegt . . .

Das Veranstaltungsgelände liegt direkt hinter dem Mittellandkanal. Und genau an dieser Stelle ist auch noch ein kleiner Yachthafen. Vielleicht 200 Meter entfernt von meinem Einsatzort. Da ich voraussichtlich über viele Wochen dort sein werde, wäre die Wahl eines Zimmers in einem naheliegenden Hotel das übliche gewesen.

Doch ich habe mich dazu entschlossen, während dieser Projektwochen dort auf dem Boot zu wohnen! Auf meinem Boot! Meinem zweiten Zuhause.


Irgendwie hat dann mit der Planung auch alles gut geklappt. Der Yachthafen hat einen Liegeplatz frei für 3 Monate. Es ist dort eine annehmbare Infrastruktur vorhanden mit Restaurant, Sanitärgebäude und weitere Standards eines Yachthafens. Die Vereinsleute haben sich über die zusätzliche Einnahme über die Liegegebühr gefreut.
Da ich nicht die Zeit aufbringen wollte das Boot vom Ijsselmeer über die Kanäle dorthin zu fahren – 7 Tage hätte ich veranschlagt – habe ich auch noch einen guten (ich hoffe es . . . ) auf jeden Fall recht günstigen Bootstransporteur gefunden. Das Auskranen in meinem Heimathafen funktioniert ja ohnehin, eine Kranmöglichkeit habe ich am Zielort auch gefunden. Zumindest in der Nähe, da der Kranführer des neuen, temporären Heimathafens im Urlaub verweilt . . .  Also, kurzum, es gab irgendwie bis jetzt keinen richtigen Hindernisgrund, es nicht so zu machen.


Ich finde es sehr spannend dann mehrere Wochen auf dem Boot zu wohnen. Insgeheim ist dies ja doch immer mein Traum gewesen, so intensiv auf dem Boot zu sein, zu leben, zu arbeiten, Freizeit zu haben . . . zu wohnen. Das Spannende ist ja – ob es so funktioniert, wie immer gedacht. Oder ob man dann doch mit dem rudimentären Lebensstil nicht so viel anfangen kann und sich nach dem Bett und der Badewanne im eigenen Haus schnell sehnen wird?!

Aber genau das wird die Erkenntnis am Ende sein. Wäre ich (theoretisch) geschaffen für ein dauerhaftes, spartanisches Leben an Bord oder ist dies nur solange interessant, solange man selbst nur davon lesen kann und nicht selbst so leben muss?


Ich freue mich auf jeden Fall darauf. Das wird mich auch von dem Job immer ein wenig ablenken – was notwendig ist, um auch mal Abstand zu haben und auf andere Gedanken zu kommen. Ich freue mich auch sehr darauf, wenn das Projekt gelaufen ist Ende September, das Boot wieder zurückzubringen nach Lelystad am Ijsselmeer. Das werde ich auf eigenen Kiel machen, über die Kanäle. Wenn dann der Motor versagt oder sonst was schief geht, wäre es nicht so schlimm und stressig, wie auf der Hinfahrt. Also Ende September werde ich dann eine Urlaubswoche einplanen – nachdem ich zu Hause erst einmal wieder ein wenig auf- und nachgearbeitet habe. Auch da freue ich mich jetzt schon sehr drauf und überlege mir jetzt schon vage Routen.

Aber . . . das ist noch soooo lange hin.


Am nächsten Dienstag wird es zunächst mal aufregend mit den Kranterminen und der Überführung zu dem besagten Yachthafen. Erstmal diesen Step, dann werden wir weitersehen.

Ich werde berichten 🙂


Mast gelegt. Boot fertig für den Transport.


Auf Wiedersehen – Du schöner Untergang der Sonne.

 

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Antizyklisch

. . . ist super. Wetter- und Muttertag bedingt, habe ich den Sonntag als Hinreisetag gewählt. Ohnehin liebe ich es, Sonntag nachmittags in der Marina zu sein, wenn sich langsam alles leert, fast alle ihren Wochenendbesuch beenden und heimreisen. Und man selbst in völliger Ruhe im Cockpit sitzen und den Sonnenuntergang beobachten kann. Den Montag wollte ich dann zum Segeln nutzen, weiterhin ist die Vogelinsel „De Kreupel“ mein Ziel. Die Wind- und Wettervorhersage war sehr gut für diesen Plan. Am Montag morgen bin ich dann am Ende aber doch nicht so früh losgekommen, wie gewollt. Irgendwie ist immer noch zu viel zu erledigen, bis alle Manöverleinen wieder richtig gelegt sind, das Vorsegel angeschlagen ist, alles im Boot Seefest gemacht wurde . . . da wird es dann schnell doch wieder Mittag. Ein wenig Öl wollte ich auch noch aus dem Motor abpumpen. Da habe ich beim letzten Ölwechsel zu viel rein gefüllt. Zumindest  konnte ich so meine neue Ölabsaugpumpe testen. Das klappte schon mal sehr gut und vor allem sauber damit. OK, dann war es aber auch so weit. Gedanklich das ganze Ablegemanöver noch mal durchgegangen. Diesmal explizit an die Fender gedacht und diese vorher eingeholt. (Beim letzten Mal die beiden vorderen doch tatsächlich vergessen und prompt in meiner Boxen-Sorgleine hängengeblieben . . . ). Und ja, diesmal gut aus der Box gekommen, schön gegen den Wind rückwärts aus der Gasse raus. Das Drehen gegen den Wind probiere ich gar nicht mehr, das klappt überhaupt nicht gut. Dann in der Hauptgasse vorwärts eingekuppelt. Immer schön nervös den Motorgeräuschen gelauscht. Aber der Innenborder läuft momentan sauber. Den Außenborder hatte ich aber auch schon vorher startklar und einsatzbereit gemacht. Nochmal diese Hilflosigkeit in der Hafenausfahrt bei einem ausgehenden und nicht mehr starten wollenden Motor wollte ich nicht erleben. Dann ein wenig Raum geschaffen zum Segelsetzen und auch dies hat wunderbar geklappt. Schöner Wind aus der richtigen Richtung, die Sonne strahlt. Kaum andere Segler unterwegs. Klar, antizyklisch. Ijsselmeer an einem Montag morgen eben. Sehr gut alles, so kann es weiter gehen. Kurs genommen Richtung Trintelhaven, also nordwärts. Der liegt auf dem Weg nach De Kreupel. 2 Stunden beste Fahrt gemacht.

Volle Fahrt voraus . . .

Aber dann, so langsam schläft der Wind ein. Schade. Und ich komme nicht direkt um das markierte Flachwasser herum am Houtribdijk. Wenden, höher fahren. Nochmal probieren, nein, immer noch nicht. Zu wenig Wind. Langsam wird’s mühevoll. Na gut, dann den Motor an – ich lasse diesmal den Außenborder mitlaufen. Ist ja auch mal ganz gut die Teile länger laufen zu lassen. Umso mehr Vertrauen gewinnt man. Endlich um den Flachwasserbereich herum, dann endlos dort an den Markierungsbojen lang gehangelt. So knapp 4 Stunden war ich nun schon unterwegs. Ohne Motor bin ich gar nicht vorwärts gekommen, 1 – 2 Knoten Fahrt. Das zermürbt. 16 Uhr am Nachmittag und noch nicht mal die Hälfte zur Vogelinsel geschafft. Nein, ich glaube es macht mehr Sinn nicht an diesem Ziel festzuhalten. Auch wenn es momentan lange hell ist, aber so ganz ohne Wind macht das alles keinen Spaß. Aber trotzdem, diesmal wollte ich außerhalb meines Heimathafens übernachten. Der Trintelhaven. Auch hier wollte ich immer schon mal einlaufen. Es ist zwar nur ein Nothafen ohne Infrastruktur. Dazu liegt er direkt an der vielbefahrenen Deichstraße – aber der sollte es dann sein. Und am Dienstag Morgen kann ich früh aufstehen, muss nur 2 Stunden zurückfahren und könnte Mittags wieder zurück ins Büro fahren. Ideal. Gut, der Weg zurück zum Trintelhaven hat dann auch noch eine Weile gedauert. Zu wenig Wind weiterhin. Gegen 19:00 Uhr war ich dann dort. Es lag nur eine größere Motorjacht an der Kaimauer. Platz war also genug. Schön weit im Hafen ausgeholt . . . . ein Blick auf den Tiefenmesser. Arrrggghhh,  20cm noch. Zu wenig!!! Da hatte ich dann doch zu weit ausgeholt. Schnell beigedreht und alles gut. Das Anlegemanöver längsseits war gar nicht mal so schlecht. Ein wenig eleganter kann das alles werden. Aber es ist ein schmaler Grat zwischen langsam und alles in Ruhe machen und langsam und schon wieder vertrieben werden . . . bei ablandigen Wind geht das sooooo schnell. Diesmal war das Manöver so einigermaßen. Fein. Was ein schöner Tag trotz allem, trotz des nicht immer vorhandenen Windes. Aber rund 7 Stunden an Bord gewesen und gefahren. Beide Motoren ausgiebig getestet. Gesegelt. Einen fremden Hafen angelaufen. Dann noch ein Bierchen getrunken, was gekocht und mit aufkommender Dunkelheit in die Koje verzogen. Ich freue mich über diesen, für mich gelungenen Tag.

Trintelhaven

Fast alleine an der Kaimauer . . .

Ein Nothafen – kein Strom, kein Wasser

Am Dienstag bin ich dann diesmal auch wirklich früh auf. Um kurz nach sieben Uhr war ich schon bereit für´s ablegen. Na, da war ich aber noch nicht so richtig wach. Das Ablagemanöver war nix. Irgendwie hatte ich es mir zu leicht gemacht. Dachte ich komme so weg von der Kaimauer. Das war dann aber ein Krampf. Ich weiß aber auch, was ich falsch gemacht habe. Einfach so wegdrücken und losfahren geht nicht, wenn der Wind nicht gerade völlig querab von Land kommt. Beim nächsten Mal muss ich mir die Ruhe und Zeit nehmen und richtig eindampfen und das Boot damit frei bekommen. Gut, dann aber raus aus dem Hafen. Segel setzen und eine richtig schöne Brise, 3 – 4 bft. schob mein Boot über das I-Meer. 5 Knoten Fahrt sind für mich schon eine Menge und das finde ich schon richtig gut und schnell. So kommt man voran. Und dann noch als gefühlt als einziger Segler weit und breit.

Ein fast leeres Ijsselmeer – zumindest keine Segler weit und breit

Blöd nur, das diesmal der Wind genau aus der Richtung bläst, in welche ich hin muss. Ja, auch wenn ich gut und schnell unterwegs war, das kreuzen nimmt einen wieder viel weg. Und zeitlich geht dann da doch wieder einiges drauf. Aber besser so, richtiges Segeln und vorwärts kommen, als Flaute und man steht auf der Stelle oder muss motoren. Nach ca. 3 Stunden Fahrt war ich dann in der Nähe der Marina. Motor an, Segel bergen. Alles gut. Irgendwie läuft es an diesen Tagen. Zurück in die Box. Auch hier ein einigermaßen gelungenes Anlegemanöver, welche ich mir zwar eleganter vorstelle – aber eigentlich genau nach Vorgabe meines „Einhand-Gurus“ Guido Dwersteg, gefahren habe. Die richtige Balance zu finden, nicht zu schnell zu sein, aber auch nicht zu langsam. Alles richtig vorbereitet zu haben, schnelle Handgriffe auszuführen – aber keine Hektik aufkommen zu lassen. In seinen Videos sieht alles immer so ruhig und treffsicher aus . . . aber ich bin zuversichtlich, was meine zukünftigen Manöver angeht. Ich bin auf dem richtigen Weg. Noch ein wenig mehr Erfahrung und dann wird alles immer besser klappen – zumindest die Basics. Es kommen zwar immer wieder neue unbekannte Aktionen und Manöver dazu. Aber das macht es ja auch so spannend.

Mindestens zwei weitere Nah-Ziele habe ich ja noch für die nächsten Bootstage: Die Vogelinsel anfahren werde ich wieder probieren und einmal Ankern über Nacht würde ich mal gerne. Überhaupt einmal ankern. Ausprobieren, fühlen, wie es ist.

Und das alles am besten wieder . . . . antizyklisch.

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Wie jetzt ….. ?

. . . . das Jahr ist schon wieder vorbei? Warum geht das alles immer so schnell? Und wieder so wenig Zeit gehabt, noch nicht einmal Blogs konnte ich schreiben. Ich war weitaus öfter an Bord, wie es scheinen mag. Allerdings weitaus weniger, wie ich es mir immer gewünscht hätte. Gedanklich bin ich immer bei der „Meerlust“, bei Törnplanungen, schaue mir Routen, Häfen, das Wetter an. Ach, trotz allem ist es schön, die Möglichkeit der „Ruhe-Insel“ zu haben, eine Fluchtmöglichkeit als Option. Auch wenn ich gar nicht weiss, vor was ich fliehen müsste . . . aber wenn ich hier an Bord bin, kann ich einfach wunderbar abschalten und vergesse den Alltag. „Das Nichtvorhandensein von Stress und Hektik“ sind Zeilen aus einem vor einiger Zeit gelesenen Buch – das trifft den Nagel auf den Kopf.

So, nun sitze ich hier am Abend vor Heiligabend. Noch schnell eine Kontroll-Reise gemacht. Das Boot liegt im Winter im Wasser, heute nacht ist zudem Sturm angesagt. Da unterliegt man auch gewissen Pflichten. Im Dunkeln hin, morgen früh um sechs aufstehen und wieder zurück (hetzen). Aber den Heiligabend und unsere Rituale mag ich und möchte dies natürlich mit meiner Familie erleben.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch 🙂

 

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Pfingsten Teil 2

Nachdem ich meine lange Reise am Pfingstmontag . . . abgebrochen habe und zum Heimathafen zurückgekehrt bin, hatte ich den Dienstag für ein besonderes Vergnügen eingeplant: Ich wollte den Mast entern und ganz oben am Top endlich meine Windfahne austauschen, die Daten für mein Winddisplay liefert. Die alte Anlage war von Anfang an defekt, die neue liegt seit langer Zeit in der Backskiste. Aber ich musste mir ja gedanklich (und auch praktisch) erst ein System suchen, mit dem ich alleine die 12 Meter des Mastes hoch klettern konnte. Skipper der „Luxusyachten“ machen es sich einfach. Die nehmen die Ankerwinde, schlagen das Grossfall dort an und lassen sich im Bootsmannsstuhl einfach hochziehen. Die normalen Yachten machen es genauso, nur manuell. Einer sitzt, einer kurbelt mit der Mastwinch. Alleine ist das alles blöd. Da muss ein anderer Weg gefunden werden. Montierte Maststufen z.B. – das wäre schön, steht auch auf meiner endlosen ToDo Liste. Kann man aber nur montieren, wenn der Mast gelegt ist. Sonst ist dies zu tricky und aufwendig. Nicht nur mein Segelguru Guido Dwersteg hatte dann einen anderen Ansatz einmal beschrieben, welchen ich ein wenig abgewandelt für mich aus dem Klettersport übernommen habe: Die beiden Vorsegel-Fallen habe ich heruntergelassen. Dort dann mein Kletterseil befestigt, das ganze dann bis ins Top hochgezogen. Eine Handsteigklemme mit Fusschlaufe am Kletterseil befestigt, ein GRIGRI 2 Sicherungsgerät an meinen Klettergurt befestigt. Eine Umlenkrolle oben an der Handsteigklemme befestigt. Der Seil-Lauf ist dann von oben kommend, Handsteigklemme -> GRIGRI2 -> Umlenkrolle -> Hand. Ich entlaste die Fusschlaufe, in dem ich mich hinsetze (der GRIGRI hält mich), die Handsteigklemme schiebe ich ca. 50cm nach oben. Dann stelle ich mich in die Fussschlaufe, entlaste dadurch das Seil und kann dies im GRIGRI nachziehen. Denselben Durchlauf noch einmal. Dann noch einmal und dann . . . . ja, klar. Im YouTube Video sieht dies recht einfach aus. In der Praxis ist dies nur etwas für 50kg leichte Kletterfreaks. Meine 90 kg Stück für Stück nach oben ziehen fühlt sich da schon anders an. Das Seil verdreht sich natürlich, die Wanten, Salinge und andere Hindernisse versperren einem den Weg. Nur der Adrenalinspiegel hilft und gibt Kraft, die man benötigt. OK, irgendwann war ich dann doch tatsächlich oben. Cool. Cooler Ausblick auf das eigene Boot und auf die Umgebung. Eine völlig neuartige Perspektive.

Topview Heck

Topview Bug

Rundblick

Ich habe die ganze Prozedur und die Seilverläufe ein wenig zu ausführlich beschrieben. Das soll für mich sein! Denn, wie soll man sich das ganze Seil und Rollen hin- und her denn merken? Den Spickzettel brauche ich nun nicht mehr, da ich es selbst hier jederzeit nachlesen kann 🙂
Ach ja, die Reparatur. Ich habe mir größte Mühe gegeben. Nix vergessen mit hoch zunehmen, nix aus versehen runterfallen lassen . . . war auch alles gut. Nur: die Bohrungen der neuen Halterung waren anders. Eine Bohrmaschine hatte ich zufällig nicht dabei. Die alten Halterungen habe ich dann versucht wieder zu verwenden. Aufgrund Materialermüdung des Plastiks über die Jahre, sind diese Halterungen beim festziehen leider gebrochen. Das geht so nicht. Ich montiere den Windgeber erst mal jetzt unten auf einer Stange am Heckkorb. Beim nächsten Mastlegen kann ich es an der richtigen Stelle im Top befestigen. Zumindest habe ich jetzt auch mal die Wantenbefestigung und den Zustand des Masttops begutachten und mich damit ein wenig beruhigen können. Das Abseilen war natürlich dann ein pures Vergnügen 🙂
Soviel zum meinem ersten Ausflug an die Spitze des Mastes . . .

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Pfingsten . . . mal wieder

So ca. genau vor einem Jahr zu Pfingsten ist das Boot ja angekommen nach einer längeren Überführungstour vom Hafen Bottrop/Essen in die Flevo Marina nach Lelystad. Und auch diesmal konnte ich mir wieder ein wenig Zeit freischaufeln um nach dem Rechten zu schauen und die Zeit an Bord mal wieder genießen zu können. Überhaupt: (Frei-) Zeit und Boot. Zwei Dinge, welche irgendwie nicht zusammenpassen. Das hatte ich mir ja eigentlich alles anders vorgestellt und erst jetzt nach einem Jahr wird mir so richtig bewusst, wie wenig Zeit am Ende dann doch bleibt – nach Abzug aller Arbeitstage auch am Wochenende, nach Abzug der normalen WE Termine, nach Abzug der Frau- und Familienbedürfnisse, und, und, und . . . schon ein wenig enttäuschend. Fester Entschluss: Das muss anders werden 🙂
Um den Pfingststress und Verkehr zu umgehen, um auch für die Familie noch ein wenig da zu sein, hatte ich mir den Sonntag Abend ausgewählt als Anreisetag. Hat auch super geklappt, kurz nach Sonnenuntergang war ich dann an Bord. Wieder alles soweit auf den ersten Blick in Ordnung. Ich bin immer wieder erstaunt, das nach Wochen der Abwesenheit, alles noch so genauso wie beim Verlassen wieder vorzufinden ist. Kein Knöchelhohes Wasser am Boden, kein Schimmel überall, kein Gestank (zumindest in diesem Augenblick nicht . . . ) Selbst die Massen an Tagesfliegenleichen, welche sich sonst die Polster als ihre letzte Ruhestätte gewählt hatten, waren nicht da. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, der Ministaubsauger muss dann mal dringend wieder geleert werden 🙂
Der Plan war, den Montag für einen längeren Törn zu nutzen. Ich wollte zu einer recht einsamen Vogelinsel mit Namen „de Kreupel“ segeln.

de Kreupel

Dort ist nur ein Naturhafen (im Bild unten rechts), sonst wohl gar nix. Dann übernachten und am Dienstag morgen zurück zum Heimathafen. Ca. 5 Stunden Anfahrt sagte mir mein Boots-Navi. OK, das war der Plan. Die Realität sah dann anders aus. Der letzte Blick am Abend auf die Windrichtung sagte mir Nord West Winde. Klaro, die Insel lag im Nordwesten des Ijsselmeeres, von meinem Standpunkt aus betrachtet. Auch wenn ich immer wieder gelesen hatte, gegenan „anknüppeln“ gegen Wind und Welle, macht man nicht und wählt sich ein anderes Ziel . . . nein, der Frank muss sowas ja ignorieren und sagt sich, ein wenig kreuzen, das geht schon und ruckzuck ist man da. Außerdem war DAS mein Ziel, da kann das Wetter mich doch nicht einfach woanders hinschicken?
Nun gut, am Montag war ich dann auch recht früh auf den Beinen, noch schnell die Katzenwäsche gemacht . . . upps, was riecht denn hier so komisch? Etwa das Wasser? Schnell den zweiten Wasserhahn ausprobiert. Der gleiche Gestank. So eine Mischung aus Gülle und faulen Eiern. Warum? Den Wassertank und die Entkeimungstabletten habe ich jetzt schon seit einem Jahr. Das hatte ich noch nie!  Ok, mir bleibt nichts anderes übrig, als den ganzen Tank zu leeren und frisches Wasser einzufüllen. Gesagt – getan. Nur, so ganz frisch scheint das Wasser immer noch nicht zu sein. Ich verstehe es nicht. Da werde ich beim nächsten Mal noch mal alles entleeren müssen und über die Serviceöffnung den Tank inspizieren und von dort aus reinigen. Aber jetzt wollte ich erst mal los. Frisches Wasser habe ich ja auch immer in Flaschen dabei. Das muss reichen. Zwischenzeitlich zogen ganz schön dunkle Wolken auf und es blies mächtig. Soll ich wirklich raus? Welches Vorsegel nehme ich? Nachdem ein Stegnachbar dann an mir vorbei gelaufen ist, mich grüßte und mir einen „schönen Segeltag“ gewünscht hat . . . . . gab es kein Zurück mehr.
Pünktlich zum Auslaufen hat sich dann auch eine Segelclique genau vor meinem Boot festgequatscht. Super. Genau sowas brauche ich dann auch noch als Publikum für meine Ablegemanöver. Aber sie waren recht freundlich, fragten, ob sie mir bei Ablegen helfen könnten. Dankend nahm ich die Hilfe an, das Festmachseil zum Steg landete dann anschließend zwar nicht wie versprochen auf dem Boot, sondern im Wasser . . . aber egal, der hilfsbereite Gedanke zählte 🙂 Mutig, wie ich war, wählte ich diesmal auch direkt die Rückwärtsfahrt aus der Boxengasse, direkt in den Wind rein. Mittlerweile weiß ich, das mein Boot einfach nicht mit der Nase in den Wind drehen will. Deshalb passe ich mich diesem Willen an und bleibe einfach in dieser Position, fahre so raus und drehe dann erst später mit mehr Schwung. Wenn man denn Hafen dann verlässt und auf das „offene“ große Ijsselmeer fährt – dann fühlt man erst den richtigen Wind und die richtige Welle. Puuuh, das war nicht schlecht. Vielleicht hätte ich doch die kleinere Fock wählen sollen? Ich habe leider keine Rollfock, muss diese also vorher auswählen und anschlagen. Auf dem Meer ist es später schwierig bis nicht machbar, dies dann noch zu wechseln. Gut, dann hoch die Lappen, erst das Grosssegel, dann die Fock und ab geht der Ritt. Natürlich ganz hoch am Wind, ich muss ja in diese Richtung. Das war dann aber alles gar kein Spaß. Die Segelfläche war einfach zu groß. Mein Autoruder arbeitet nicht zuverlässig bei diesem starken Wind und dieser Welle, die natürlich auch aus der Windrichtung kommt und damit voll gegenan. „Ritt“ ist das richtige Wort. Oder „Kampf“. Permanent an der Pinne, permanent die Böen abfangen und weiter in den Wind gehen, damit der Segeldruck abnimmt. Die Kränkung (Schräglage) des Bootes ist teilweise angsteinflößend. Wie weit kann ich mich auf die Seite legen mit den drei Tonnen, bis es umkippt? Kann es überhaupt umkippen? Ich bin mir eigentlich sicher, es kann. Oder zumindest den Mast, das Rigg abräumen. Nun gut, nach einer Weile dachte ich mir, zumindest das Grosssegel kann ich doch reffen. Mit dem tollen „Einhandreffsystem“. Wieder ganz in den Wind gesteuert, das Grossfall gefiert, an dem Reffseil gezogen. Dadurch schiebt sich das Grosssegel zusammen und die Segelfläche wird verkleinert. Gezogen, noch ein wenig und schwupp, ein Plöpp, irgendwas ist gerade abgefallen und liegt nun im Schlick des Ijsselmeeres. Ziemlich schnell hatte ich gemerkt, das der Mastrutscher Stopper sich gelöst hat und unter dem Druck des Ziehens herausgerutscht ist. Das bedeutet, wenn ich das Segel weiter herunterlasse, rutscht es komplett aus der Nut des Mastes! Super! Nach den vielen Flüchen und der Zeit des Ärgerns bin ich dann zum Mast hin, habe mit einem Seil den unteren Rutscher fixiert. So konnte zumindest nichts mehr rausrutschen, ich konnte aber auch nicht weiter reffen.
Nach ca. 4 Stunden Fahrt gegen Wind und Welle habe ich dann aufgegeben, zumindest was mein Tagesziel anging. Das war nicht mehr zu schaffen heute. Gegen Wind und Welle dauert es noch Stunden und ich hatte erst einen kleinen Teil der Strecke geschafft. Insgeheim sehnte ich mich doch auch nach meinem Heimathafen und meinem sicheren Steg. Das Wetter war mir heute auch überhaupt nicht geheuer. Immer wieder zogen dicke, schwarze Wolken auf, die immer auch noch mehr Wind mit sich bringen. Es sollte noch nicht sein, zumindest nicht heute und nicht jetzt. Also, kehrt marsch.
Zurück in die Marina. Das war eine gute Entscheidung. Der Vorwindkurs und die schnellen Raumwindkurse brachten mich dann auch zügig wieder zurück. Mein Navi hat mir hinterher gesagt, das meine Höchstgeschwindigkeit auf diesem Rückweg 7,0 Knoten über Grund waren. Meine theoretische Rumpfgeschwindigkeit (das ist eigentlich das Maximale mit diesem Boot) sind 6,5 Knoten. Leider ist mir auf einem dieser Vorwindkurse dann doch auch noch der Grossbaum umgeschlagen. Eigentlich habe ich ja eine Bremse eingebaut, einen sogenannten Bullenstander. Diesen hatte ich aber gerade gelöst, eine Unachtsamkeit an der Pinne, eine hohe Welle und Schwupp sauste das Teil um Haaresbreite über meinen Schädel hinweg. Genau diese Dinge soll und MUSS man als Einhandsegler vermeiden, sollte JEDER Segler vermeiden. Aber vielleicht muss man solche Situationen dann auch immer erst mindestens einmal mitmachen um es zu lernen. Ich danke Gott, das er mir genau diese Köpergröße gegeben hat und nicht noch ein paar Zentimeter draufgepackt hat. Ganz ehrlich.

Insgesamt war ich an diesem Tag (nur) 6 Stunden unterwegs, gerade mal 21 Seemeilen. Mir selbst ist es vorgekommen, wie eine halbe Atlantiküberquerung. Die ganzen blauen Flecken an meinem Körper sind Zeuge.
Mein Gott, was habe ich einen Respekt vor diesen ganzen Langfahrseglern! Wie geht das? Wie machen die das? Und das auch noch alleine.
Unglaublich, da muss ich noch sooooooo viel Erfahrung sammeln. Und komme ich selbst jemals an so einen Punkt?

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to be continued . . .

Die Geschichte wird fortgeführt. Wenig Aktivität auf diesen Seiten hat nichts zu bedeuten für die Aktivitäten rund um die MeerLust. Es ist eben auch nun mal Winterzeit, wobei das Boot ja im Wasser liegen geblieben ist. Die ganzen Monate habe ich auch immer wieder zu einem Besuch dort genutzt. Das war schön. Schön ruhig. Den Steg und die Marina fast für mich. Trotz der Einschränkungen durch den Winter dort. Ich freue mich auf die Saison. Die erste, richtige, vollständige Saison. Ich bin aber auch gespannt, wie viel Zeit diesmal dafür genutzt werden kann. Und wie das alles klappt und sich zusammenfügen wird. Es ist noch so viel zu tun, zu entdecken, so viele Ziele und Pläne im Kopf. Es MUSS erst mal weitergehen mit diesem Projekt.

Spaziergang

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Segeltag

4 Stunden schönstes Segeln stand am Samstag auf dem Programm. 4 Beaufort. In Böen 5 – 6. Das war schon eine nette Brise für mich und eine Steigerung zum letzten Mal. Der Segelprofi wird darüber nur lachen, aber ich muss mich da langsam heran tasten. Beim Segelsetzen muss das Boot genau im Wind stehen, sonst wird der Druck im Segel zu stark und ich habe keine Chance es hochzuziehen. Mein Autopilot ist da leider nicht ganz so zuverlässig. Der Wind dreht ja permanent um ein paar Grad, mal mehr, selten weniger und der Kurs wird nicht umgehend angepasst. Puuhh – und wenn das Großsegel und die Fock da so um sich schlagen, da weiß man, welche Kräfte dort wirken. Aber irgendwie steht dann alles, nun ein wenig trimmen – Kurs aufnehmen, hart am Wind. Was jetzt? Das Boot legt sich schön auf die Seite. Ich höre nur, wie es innen poltert und alles was lose rumsteht, durch die Gegend fliegt. Klar, das habe ich dann doch extrem unterschätzt. Ich habe zwar die Flaschen auf dem Tisch mit einem Gummiband zusammengebunden. Aber die Kaffeekanne steht dort noch herum, die auch gleich meine schönen Bücher und meine Kladde mit der braunen Brühe markiert und auf ewig mich nun daran erinnern wird, was ich VOR Antritt der Fahrt zu tun habe . . . Von den gelagerten 1,5 Liter Wasserflaschen unter dem Tisch mal ganz zu schweigen. Die nehmen beim rumrutschen gleich die angeschraubte Tischstütze mit, die sich unten auf dem Boden nun zu den Zeitschriften, Tassen und sonstigem Bootsinventar gesellt. DAS passiert mir nur einmal.

Ansonsten ist es einfach nur toll. Die Vorsegelschoten habe ich nun außerhalb der Wanten verlegt und es klappt perfekt so, zumindest mit dieser Fock. Sich an eine neue Höchstgeschwindigkeit heranzutasten, schauen wie weit das Boot sich auf die Seite legt. Mit jeder Meile mehr Vertrauen zu sammeln, das es nicht ganz umkippt und nicht kentert. Das Problem ist ja nicht der konstante Wind, sondern wie viel Spielraum ist da noch, wenn Böen einfallen, die ich nicht frühzeitig erkenne an der Veränderung der Wasseroberfläche? Wenn ich sie sehe, steuere ich ein wenig höher an den Wind, der Winddruck nimmt ab und das Boot richtet sich wieder ein wenig auf. Dann wieder abfallen, usw. Das ist spannend. Nun, ich glaube oder besser ich hoffe – da ist noch genügend Spielraum und auch wenn man diese Neigung selbst als extrem empfindet, da muss einfach noch einiges mehr machbar sein, bevor man sich auf die Seite legt. Erleben möchte ich dies nicht. Noch nicht mal dran denken.

Die zweite Sorge, die ich dann so habe bei diesem Wind: Hält das Material? Bleibt der Mast stehen? Halten die alten Segel, die sich an den Aufhängepunkten verdammt spannen! Die Erfahrung, als auf der Überführungsfahrt sich teilweise die Wantenspanner gelöst haben, ohne Segel, und die Stahlseile dort neu fixiert werden mussten bei schon recht starkem Seegang – das habe ich noch gut in Erinnerung. Und auch so was möchte ich nicht bei vollem Segel und dieser Brise erleben. Nun gut, die seitlichen Wantenspanner sind alle ausgetauscht von mir und ich muss mich einfach gedanklich frei machen von den ganzen „was wäre wenn“ Szenarien . . .

Auf der Rückfahrt zur Marina und einem Vorwindkurs wurde alles dann ruhiger und gemächlicher, hier habe ich zwischendurch dann doch noch ein paar Mal auf den Record Knopf der GoPro gedrückt und ein paar wenige Impressionen eingefangen.

Diese nachfolgend:

 

 

 

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